Arztgespräch

Fragen, Vorbereitung und Nachbereitung für das Arztgespräch

Wenn Sie Knieschmerzen haben, die weder durch eine Eigenbehandlung (in akuten Fällen etwa die PECH-Formel) noch durch Zuwarten verschwinden, müssen Sie einen guten, für Sie passenden Arzt finden. Das Problem bei der Arztsuche besteht darin, dass es keine offiziellen Listen gibt, die jedem Patienten eine gute Orientierung geben. Einzelne private Krankenkassen bieten im Internet zwar Suchmöglichkeiten an, doch für Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen gibt es solche Möglichkeiten (noch) nicht.

Selbsthilfe ist also angesagt. Einige Fragen und Anregungen können Ihnen eine gute Orientierung für Ihr Arztgespräch geben:

  • Nutzen Sie Ihr Netzwerk und hören Sie sich um.
    Dies kann ganz einfach in Ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis geschehen. Dies kann einfach online oder offline passieren. Wer hat mit welchem Arzt welche Erfahrungen gemacht?

  • Fragen Sie Ihren Hausarzt.
    Welchen Spezialisten kann er empfehlen und warum? Wie sind seine Erfahrungen? Was berichten andere Patienten?

  • Fragen Sie nach Schwerpunkten.
    Haben Sie sich für einen Facharzt entschieden, können Sie direkt zusätzliche Informationen einholen. Fragen Sie gleich bei der Terminvergabe die Sprechstundenhilfe, wie die Schwerpunkte der Praxis sind. Lautet die Antwort „Wir machen eigentlich alles", sollten Sie weitersuchen. Knieprobleme gehören in die Hand von Kniespezialisten.

  • Fragen Sie Ihren Arzt nach Fallzahlen.
    Wer etwas oft macht, erzielt bessere Resultate als jemand, der sich der gleichen Sache nur selten widmet. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Qualität von Operationsergebnissen geben dieser einfachen Erkenntnis recht. Als Spezialist gilt jemand, der mindestens dreistellige Operationszahlen erreicht, also mehr als 100-mal im Jahr den gleichen Eingriff vornimmt. Wichtig: Es zählt nur der einzelne Operateur, nicht die Gesamtzahl, die eine Klinik vorzuweisen hat.
  • Bereiten Sie Ihr Arztgespräch gut vor.
    Überlegen Sie vor Ihrem Arztbesuch, wie es um Ihre Knie steht und beantworten Sie für sich diese Fragen: Welche Beschwerden habe ich, wann treten diese auf? Was habe ich selbst schon dagegen unternommen? Seit wann, mit welchem Ergebnis? Wurde das betroffene Knie früher schon einmal behandelt / operiert? Welche Medikamente nehme ich derzeit ein?
  • Schreiben Sie mit.
    Nehmen Sie sich Papier und Bleistift mit und machen Sie Notizen beim Arztgespräch. Folgende Punkte sind für Sie wichtig:
    • Wie lautet die Diagnose? Muss diese durch weitere Untersuchungen erhärtet werden?
    • Welche Medikamente verschreibt der Arzt? Warum? Auf was ist bei der Einnahme zu achten?
    • Empfiehlt der Arzt eine Operation? Warum? Wie läuft dieser Eingriff ab, wer führt diesen Eingriff wo und wann durch?
    • Wie sind die Erfolgsaussichten bei einer OP? Was sind die Risiken?
    • Wie sieht die Nachbehandlung / Reha aus?
    • Ginge es auch ohne OP?
    • Was können Sie selbst für Ihre Knie tun, z.B. Ihr Gewicht reduzieren, mehr Bewegung in den Alltag einbauen etc.
  • Seien Sie optimistisch.
    Hören Sie von Ihrem Arzt zum Beispiel bei einer Diagnose die Aussage, hier könne man nichts mehr tun, suchen Sie bitte weiter. Bei Knieproblemen kann Ihnen immer auf ganz vielen Wegen geholfen werden.
  • Fragen Sie nach. Eine gute Therapie kann erst dann beginnen, wenn Sie wirklich umfassend verstanden haben, was mit Ihrem Knie los ist. Also scheuen Sie sich bitte nicht, so lang nachzufragen, bis Sie alle Ausführungen Ihres Arztes verstanden haben. Für jede lateinische oder englische Bezeichnung gibt es gute deutsche Wörter. Reagiert der Arzt zunehmend gereizt auf Ihre Fragen, sollten Sie sich einen anderen Mediziner suchen. Hierzu gibt es ein gutes Sprichwort: Der alte Arzt spricht Latein, der junge Arzt spricht Englisch, der gute Arzt spricht die Sprache seiner Patienten.
  • Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl: Bleiben Sie nur bei dem Arzt, den Sie sympathisch finden und dem Sie vertrauen.
    Nur dann werden Sie seine Vorschläge akzeptieren und in die Tat umsetzen.
  • Holen Sie eine zweite Meinung ein.
    Vor allem bei Operationen sollten Sie zu einem zweiten Spezialisten gehen. Gute Ärzte, die sich ihrer Sache sicher sind, haben damit keine Probleme, wenn Patienten diesen Wunsch äußern. Lassen Sie sich die Röntgenbilder, Befunde und andere Unterlagen aushändigen und gehen mit diesen Unterlagen zum zweiten Mediziner. Reagiert Ihr Arzt beim Stichwort zweite Meinung gereizt, sollten Sie ihn wechseln.
  • Bleiben Sie neugierig.
    Fragen Sie den Arzt, bei dem Sie zuerst waren, was er von der zweiten Meinung seines Kollegen hält.
  • Bleiben Sie realistisch.
    Mehr als zwei Mediziner sollten Sie zunächst nicht nach ihrer Einschätzung befragen, denn sonst gilt schnell das alte Motto: Fünf Ärzte – sechs Meinungen. Dies verwirrt mehr als es Ihnen hilft und Sie zögern den Beginn einer Behandlung immer weiter hinaus.
  • Werden Sie persönlich.
    Fragen Sie doch Ihren Arzt ganz einfach, ob er die vorgeschlagene Therapie auch für sich oder seine Frau oder Verwandte in Betracht ziehen würde
  • Bleiben Sie am Ball.
    Haben Sie sich für einen Mediziner und eine Therapie entschieden, sollten Sie bei der Sache bleiben. Gelegentliche Rückschläge oder Tiefpunkte können immer vorkommen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber und holen Sie sich neue Anregungen, anstatt zu schnell den Spezialisten zu wechseln.