Kreuzbandriss

Wer sich einen Kreuzbandriss zuzieht, der merkt das auch. Oft hören die Betroffenen ein Knackgeräusch. Es erinnert an ein Seil, das reißt. Außerdem entgleitet das Knie, als wenn der Unterschenkel nicht mehr zum eigenen Körper gehört. Wie man sich bei dieser Schilderung leicht vorstellen kann, löst ein Kreuzbandriss heftige Schmerzen aus.

Typische Orte, wo sich sportlich Aktive einen Kreuzbandriss zuziehen, sind die Skipiste und der Sportplatz. So können aufsehenerregende Stürze am Hang die Ursache sein oder auch das Umfallen in Zeitlupentempo, wenn der Betroffene aus dem Lift steigen will.

Ein Kreuzbandriss passiert immer dann, wenn das Knie plötzlich verdreht wird, der Fuß dieser Bewegung aber nicht folgen kann, weil er fixiert ist. Also entweder in Skischuhen steckt oder in Nockenschuhen des Fußballspielers, ganz nach dem Motto: unten steht, oben dreht.

Ein vorderer Kreuzbandriss kommt viel häufiger vor als ein hinterer Kreuzbandriss. Ein hinterer Kreuzbandriss passiert meist dann, wenn das Knie stark gebeugt ist und von vorne große Kräfte darauf einwirken.

Symptome eines Kreuzbandrisses

Die Symptome eines Kreuzbandrisses sind recht klar: Das verletzte Kniegelenk ist stark angeschwollen, verursacht große Schmerzen und kann nicht vollständig gebeugt oder gestreckt werden. Im Gelenk findet sich oft ein blutiger Erguss.

Die Erste Hilfe bei einem Kreuzbandriss folgt der P-E-C-H-Formel:

  • Pause
  • Eis
  • Compression
  • Hochlagern

An der sofortigen Pause führt kein Weg vorbei und wird von den Betroffenen wegen der starken Schmerzen auch verlangt. Bei der Kühlung sind zwei Dinge besonders wichtig: Die Temperatur sollte konstant zwischen 0 und 5 °C liegen und das Eis darf nicht direkt auf der Haut liegen, weil es sonst zu Erfrierungen kommen kann. Erfrierungen können auch durch Kältesprays sowie die bis zu minus 18° C kalten Kühlelemente aus dem Gefrierfach ausgelöst werden. Kühlelemente in ein Handtuch wickeln oder besser noch: zerstoßenes Eis im Plastikbeutel, der in ein Handtuch gewickelt ist.

Die Compression wird mit einer elastischen Binde erreicht. Hierbei sollten sich die Gelenke in entspannter Position (leicht gebeugt) befinden und der Verband darf nicht zu fest sein. Beim Hochlagern sollte das verletzte Bein höher liegen als das Herz. So können venöses Blut und Lymphflüssigkeit besser abfließen.

Die Maßnahmen der P-E-C-H-Formel tragen dazu bei, dass die Schwellung gestoppt und die vermehrte Flüssigkeit schneller abgetragen wird.

Wegknicken des Kniegelenks

Sind nach einem Kreuzbandriss die akuten Symptome nach einigen Wochen abgeklungen, macht sich eine unterschiedlich stark ausgeprägte Instabilität bemerkbar. Das Kniegelenk knickt plötzlich bei bestimmten Bewegungen einfach weg. Der Mediziner spricht von giving-way. Dieses Wegknicken kann bei geringfügigen Alltagsbelastungen wie Treppensteigen oder bei intensiver sportlicher Belastung wie Fußballspielen auftreten. Passiert dies regelmäßig, entwickelt sich im Laufe der Zeit durch die Schlotterbewegungen ein irreversibler Knorpelschaden (Kniearthrose).

Behandlung für einen Kreuzbandriss

Weil jede Operation mit Unannehmlichkeiten verbunden ist, sollten sich die Betroffenen gut überlegen, was sie tun möchten. Menschen sind verschieden und so gibt es keine Standard-Antwort, was die beste Behandlung für einen Kreuzbandriss ist.

Die meisten Frischverletzen können ihr Knie nicht mehr richtig durchstrecken. Hinzu kommt eine verminderte Stabilität des Knies. Manche Leute können keine drei Treppenstufen steigen, ohne dass das Knie wegrutscht. Andere dagegen machen Sport ohne große Einschränkungen. Knickt das Knie weg, so vergrößert sich der Schaden an bislang intakten Bestandteilen des Gelenks wie dem Meniskus und dem Knorpel. Die Instabilität des Knies kann langfristig Arthrose auslösen. Deutliche Schlotterbewegungen sind hierfür gar nicht vonnöten, es genügt eine Mikroinstabilität, bei der sich das Knie ständig nur um wenige Millimeter verschiebt – und das über Jahre und Jahrzehnte.

Um eine spätere Arthrose auszuschließen, wird Patienten bis zum 40. Lebensjahr eine Operation dringend empfohlen. Gleiches gilt für den 18jährigen (Amateur-) Sportler. Bei Menschen jenseits der 40 ist zu fragen, was sie noch machen möchten. Wer sportlich aktiv ist, die Welt bereisen will und ein voll funktionstüchtiges Knie braucht, sollte sich operieren lassen. Rüstige Rentner sollten sich auf jeden Fall den Kreuzbandriss operieren lassen. Dies kommt auch für Patienten weit über 70 Jahre in Frage.

Wer dagegen einen ruhigeren Lebensstil pflegt, kommt mit konservativen Maßnahmen über die Runden. Einerseits geht es darum, die Belastung für das Knie zu reduzieren und Situationen wie unebene Waldböden zu meiden. Dieser Hinweis ist aber andererseits keine Aufforderung zum Nichtstun, denn die Patienten sollten unbedingt die muskuläre Führung des Knies und ihre koordinativen Fähigkeiten verbessern. Übungen zum Muskelaufbau, das Vibrationstraining oder das Tragen von Schuhen mit gewinkelter Sohle sind zu empfehlen. Auch kann das Knie durch das Tragen einer Gelenkschiene, die mit Klettbändern befestigt wird (Orthese), gestützt werden.

Minimal-invasive Kreuzbandoperation

Die operative Therapie wird heute minimal-invasiv durchgeführt. Eine minimal-invasive Kreuzbandoperation hinterlässt nur kleinste Narben. Die Kreuzbänder werden durch Sehnen ersetzt, die fast unsichtbar entnommen werden. Während der Operation wird die vorbereitete Sehne über Knochenkanäle in Schienbein und Oberschenkel exakt an der Stelle platziert, an der sich das gerissene Kreuzband befunden hat. Die Ersatzsehne wird so fixiert, dass unmittelbar nach dem Eingriff eine ausreichende Stabilität besteht, um das Kniegelenk zu bewegen und zu belasten.

Eine Woche lang soll das operierte Bein mit Gehstöcken entlastet und für sechs Wochen mit einer Orthese stabilisiert werden. Eine intensive Physiotherapie ist zur Wiedererlangung der vollen Beweglichkeit und zur Kräftigung der Muskulatur erforderlich. Je nach Operationstechnik und individuellem Heilungsverlauf kann zwei bis vier Monate nach der OP mit Joggen begonnen werden. Nach vier bis acht Monaten dürfen die Patienten ihren gewohnten Sport treiben. Die Arbeitsunfähigkeit dauert je nach beruflicher Belastung vier Wochen bis sechs Monate.